Mag. Birgit Flaggl

psychologische Praxis

DIRNDLTAL EXTREM ULTRATRAIL


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22.08.2017

HINFALLEN, AUFSTEHEN, KRONE RICHTEN, WEITERLAUFEN! ;-)

So, der Höhepunkt meines Projektes liegt mittlerweile hinter mir. Die große Frage natürlich – wie ist es gelaufen – bzw. wie bin ich gelaufen?

Trotz der für mich eher ungünstigen Startzeit von sechs Uhr morgens (für mich quasi in der Nacht), bin ich eigentlich gleich gut reingekommen. Die große Hitze/Schwüle war natürlich ein Thema, aber alles in allem war ich gut unterwegs.

Zusätzlich zu meinen bisher angewandten mentalen Strategien, hatte ich noch meine Freundin gebeten, mir was Motivierendes für meinen MP3-Player zu besprechen. Dies hat mir auch super über den ersten Tiefpunkt hinweggeholfen.

Leider Gottes meldete sich aber knapp vor km 48 das rechte Knie, welches mir schon die Regenerationszeit nach dem 70km-Lauf ungebührlich verlängert hatte. Sehr ärgerlich – aber aufgeben – sicher nicht!

Somit machte ich weiter, anfangs die Schmerzen noch ignorierend. Mit der Zeit allerdings wurde das Laufen fast unmöglich, vor allem bergab, was eigentlich meine Stärke ist. Bergab war sogar das Gehen dann schon nur mehr unter Schmerzen möglich.

Bei der Labstelle bei km 61, kurz vor den beiden steilsten Aufstiegen (Eisenstein und Hohenstein), versuchte ich es dann mit einem Schuhwechsel, in der Hoffnung, dass dies Erleichterung bringen würde.
Die beiden Aufstiege waren nach 60 km zwar schon recht anstrengend, aber zumindest die Schmerzen hielten sich in Grenzen. Leider galt das nur für die Aufstiege nicht aber für die Distanzen bergab.

Obwohl mental eigentlich noch gut drauf und auch körperlich sicher noch nicht an der Grenze angelangt, begann ich mir also ernsthaft die Frage zu stellen, wie weit ich es mit dem Knie noch schaffen würde bzw. wie sinnvoll es wäre, hier bis zum Ende durchzuhalten und damit eventuell einen längerfristigen Schaden zu riskieren, der mich womöglich monatelang am Laufen hindern würde.

Mittlerweile war auch die Dunkelheit hereingebrochen, was den Weg auf den Hohenstein recht „interessant“ machte. Stirnlampe war natürlich mit im Gepäck.
Wer die Strecke des Dirndltal Ultratrails kennt weiß, dass mit Erreichen des Hohensteins, der anstrengendste Teil des Wettkampfes geschafft ist. Hier hat man schon 74 km und gut 4000 der 5000 HM hinter sich gebracht.
Heißt aber weiters, dass acht km bergab auf einer Forststraße folgen…mit meinem Knie…puh…mittlerweile war auch das Abbiegen nur mehr schwer möglich.

Also habe ich - zwar schweren Herzens - aber in diesem Fall doch sehr rational, die Entscheidung getroffen dort oben den Lauf zu beenden, um keinen längerfristigen Schaden am Knie davonzutragen.
Eine rationale Entscheidung, aber trotzdem im Bewusstsein dessen, dass später die Gefühle (und damit meine ich nicht die positiven) und Überlegungen im Sinne von “ hätte ich doch“, „wäre nicht vielleicht doch“ … folgen würden (die sind natürlich die Tage drauf gekommen).

Einziger Trost in dem Moment – zu wissen, dass ich mental und kraftmäßig noch länger nicht an meine Grenzen gelangt wäre.
Interessanterweise wurde mir zu dieser Entscheidung fast mehr Respekt gezollt und gratuliert als zu meinen vollendeten 70 km Lauf. Anscheinend gehört zum Aufgeben doch einiges mehr dazu als zum Finishen ;-).

Der Dirndltal Ultratrail war auf jeden Fall ein grandioses Erlebnis ….und wird nächstes Jahr wiederholt…ohne zu beenden kann ich dann den Lauf doch nicht stehen lassen!

Wie ging es meinen Mitstreitern? Nun Herbert hat, wie schon früher erwähnt, ja schon vor längerem beschlossen nicht am Dirndltal teilzunehmen und Erwin hat wirklich in einer sehr guten Zeit gefinisht. Gratulation!



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